Montag, 13. Mai 2013

Fragebogen

Gebunden oder Taschenbuch?
Lieber Soft Cover, da nicht so sperrig im Rucksack. Aber wenn ich ungeduldig bin, darfs auch die gebundene Ausgabe sein.

E-Book oder Print-Version?
Solange ich einen Job ausübe, der mich im Beruf wie in der Freizeit lange Zeit an den Bildschirm fesselt, bevorzuge ich die Druckversion. Und die Klischée-Gründe: Geruch von Druckerschwärze, Gewicht von Romanen mit Überlänge, zurückblättern wollen, den Fortschritt (mehr oder weniger als die Hälfte) beobachten, ein Buch nicht ins Ladegerät stecken müssen.


Amazon oder Buchhandel?
Früher oft über Amazon. Seit dem Leiharbeiterskandal Konto gelöscht, aber weniger wegen den Leiharbeiterbedingungen (in keiner Branche ist alles perfekt), sondern weil die kleinen Händler vom Online-Versandhandel geschluckt werden.Gehe ich dagegen in eine Buchhandlung, dann nehme ich mir gerne die Zeit zum Stöbern und der Kauf ist in Kauf genommener Zufall.

Lesezeichen oder Eselsohr?
Lesezeichen, notfalls auch ein Notizblatt.

Ordnen nach Autor, nach Titel oder ungeordnet?
So groß ist meine Sammlung nicht. Ich sortiere eher nach Sachbücher, Autobiographien, Krimis und Romane.



Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Ich kann Bücher nicht wegwerfen. Das ist geistiges Eigentum, niedergeschriebene Kreativität, auch wenn es Schrott ist. Am ehesten noch verschenken oder verkaufen. Oder in den freien Bücherschrank geben, den es in Wien an mehreren Orten mit vorhandener Beliebtheit gibt.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?
Behalten, und hoffen, ihn wiederzufinden.


Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
Ohne! Ist im Bett liegend bequemer, und macht keine unnötigen Knitterfalten ins Papier.

Kurzgeschichten oder Roman?
Obwohl ich bisher nur Kurzgeschichten schrieb, bevorzuge ich Romane. Je mehr Seiten, desto besser. Am liebsten sind mir lange Schinken. Um selbst einen Roman zu schreiben, fehlte mir bisher aber der lange Atem.

Sammlung (Kurzgeschichten von einem Autor) oder Anthologie (Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren)?
Am ehesten ersteres, z.B. von Georg Payr - Das Ewig Päpstliche zieht uns hinan.

Harry Potter oder Lemony Snicket?
Ersterer sagt mir nicht zu, zweiteren kenne ich nicht.

Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel endet?
Wenn man zwar noch liest, aber auf der nächsten Seite nicht mehr weiß, was man vorher gelesen hat. Meist werde ich dann vom Schlaf übermannt. In der Schulzeit las ich nicht selten bis halb 2 nachts und ging dann übermüdet zur Schule - bereut habe ich es niemals. Heute ist die Müdigkeit leider oft stärker.

„Die Nacht war dunkel und stürmisch“ oder „Es war einmal“?
Keine Märchen. Die Realität ist spannend genug.

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Kaufen oder Leihen?
Kaufen! Ich will ein Buch mehrmals lesen können, und nicht durch äußere Umstände gezwungen sein, es in einer bestimmten Zeit zu lesen.

Neu oder gebraucht?
Beides. Wenn es ein seltenes Exemplar ist, das ich sonst nirgends bekomme, darf es auch gerne gebraucht sein.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
Sachbücher nicht selten durch Empfehlung eines Kulturradiosenders oder einer Zeitung, im Buchhandel dagegen Stöbern und spontan kaufen. Neuerdings auch Empfehlungen durch Twitter.

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
Wenn die Serie gut ist, darf der Ausgang offen sein.

Morgens, mittags oder nachts lesen?
Nachts - da herrscht Ruhe vom Alltagslärm. Und im Bett ists immer noch am Gemütlichsten. Gerne auch mal nach dem Aufwachen, um das Aufstehen hinauszuzögern.

Wo lesen?
Am liebsten während langer Bahnfahrten, auch in der Straßenbahn. Weniger um Zeit zu überbrücken, sondern um des Genuss des Lesens Willens. 

Einzelband oder Serie?
Von Wolfgang Hohlbein habe ich ganze Serien gelesen, am liebsten die Enwor-Saga. Hat wie viele Hohlbein-Romane seine Durchhänger, aber besonders die letzten vier Bücher der Serie sind in sich geschlossen und lassen die Phantasie Purzelbäume schlagen.


Lieblingsserie?
Henning Mankell - Wallander. Habe alle Bücher der Serie mehrfach gelesen, kann es nicht mehr zählen, wie oft, aber über Jahre hinweg war Wallander mein vertrauter Begleiter in der Nacht. Ein literarisches Refugium, in das ich mich zurückziehen konnte und ich mich heimisch darin fühlte.



Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?
Hans Lebert - Die Wolfshaut, österreichischer Anti-Heimat-Roman aus den 60ern, im Gegensatz zu Thomas Bernhard mit mehr Handlung, weniger Monologen und ohne Bandwurmsätze, aber dafür einer Sprachgewalt, die fesselt. Zudem spricht Lebert den wunden Punkt der nicht gut aufgearbeiteten Täterrolle Österreichs zur Zeit der Nazis an.


Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?
José Saramago - Die Stadt der Blinden
Johannes Sachslehner - Wien. Eine Geschichte der Stadt
Serdar Somuncu - Der Antitürke

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
Thomas Bernhard - Auslöschung.

3 Bücher, die ungelesen im Schrank stehen?
James Joyce - Ulysses (bis Seite 400 gekommen)
Salman Rushdie - Die satanischen Verse (schwere Kost)
Robert Harris - Pompeji (englisch, Wortschatzmangel)

Hinweis dank http://nikana.de/page/18/ und Quelle: http://www.ankegroener.de/ 

Leicht adaptierte Version.

Freitag, 26. April 2013

Lesen verschwindet zulasten von Web 2.0

Obgleich ich gezielter lese, wie im letzten Blogbeitrag angesprochen, werden die Gelegenheiten, längere Zeit am Stück zu lesen, immer weniger. Das hängt mit Handy und Internet zusammen, direkt und indirekt.

Meine Lesebiographie startete bereits in der Schulzeit, damals verschlang ich bis spät in die Nacht ein Buch nach dem anderen. Ich kann mich daran erinnern, regelmäßig erst gegen halb 2 eingeschlafen zu sein, obwohl ich morgens um halb 7 rausmusste. Aller Müdigkeit zum Trotz hat mir das Lesen nicht geschadet.

Auch die Anfangszeiten des Internets haben zunächst wenig am Leseverhalten geändert, allerdings saß ich mit fortschreitenden Jahren längere Zeit vor dem Computer und ging dann direkt ins Bett anstatt wie früher zu lesen. Gewiss beobachtet man sich selbst auch dabei, lange vor dem Fernseher zu sitzen und übermüdet nach dem letzten Film ins Bett zu gehen, und unmittelbar umzufallen. Dennoch wirkt sich das Internet wesentlich länger fesselnd aus, da es keine Endzeit kennt. Ein Film geht irgendwann zu Ende, im Internet kommen ununterbrochen neue Inhalte hinzu. Natürlich stellt sich auch zwanghaftes Verhalten ein, das inzwischen niemand leugnen wird: Das ständige Nachsehen, ob neue E-Mails da sind, neue Antworten in Foren, ob auf Twitter wieder jemand etwas geschrieben hat oder auf Facebook. All dies verzögert den Weg ins Bett weiter, und bis er dann erfolgt, ist man oft so vollgepumpt mit unnützem Wissen, dass sich der Lesegenuss nicht mehr in voller Länge bis zum Einschlafprozess entfalten kann.

Lese ich nicht zuhause, dann unterwegs. Aber auch hier verändern sich die Gelegenheiten vorwiegend zum Ungunsten. Früher liebte ich das Zugfahren, nicht nur wegen der Beobachtung der Landschaft, sondern weil ich dann für längere Zeit ungestört lesen konnte. Als ich noch in Innsbruck studierte, benötigte ich für die Heimfahrt über sieben Stunden. In dieser Zeit brachte ich die Hälfte von Frank Schätzings "Schwarm" durch, immerhin gut 500 Seiten. Gut, kein Beispiel für anspruchsvolle Kost, aber auch sonst konnte ich die langen Zugfahrten gut nutzen.

Seit einigen Jahren aber bedeutet für mich Zugfahrt Stress, vor allem dann, wenn fremde Menschen mit anderen fremden Menschen andauernd telefonieren müssen, und zwar mit der Arroganz zu glauben, sich im Wohnzimmer zu befinden, wo eh jeder mitkriegen darf, was man so redet. Studien belegen, wie man als uninteressierter Außenstehender dennoch zuhören muss, und so fällt es mir dann schwer, mich auf meine Zeilen zu konzentrieren. Als Reaktion stöpsel ich mich dann selbst ein, was mir schon wieder zu viel der Beschallung beim Lesen ist, und auch nur funktioniert, wenn ich gesangslose Musik höre. Lesen oder generell nur ruhig die vorbeirasende Landschaft beobachten wollen ist also generell schwer geworden. Der Genuss ist nicht mehr derselbe.

In den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Telefonieren noch viel häufiger anzutreffen, und die Sünder geben sogar selbst zu, "zu telefonieren, um die lästige Wartezeit oder Fahrtzeit zu überbrücken". Weil der Weg nicht mehr das Ziel sein darf (im Grunde genommen ist der Weg fehlende Arbeitszeit oder Freizeit), muss am Weg telefoniert werden, egal ob laufend, wartend oder fahrend. Die Umgebung wahrnehmen reicht nicht mehr aus. Vielleicht wird die Gesellschaft deswegen so ellenbogenmental, aber das ist ein anderes Thema.

Wenn man selbst unterwegs ist, nicht in den Öffis, ist das Handy immer dabei, und die wenigsten trauen sich noch, das Handy auszuschalten. Auch das bringt Unruhe. Deswegen verzichte ich bisher noch auf ein Smartphone. Mein einfaches Klapphandy erlaubt kein schnelles Internet, somit auch nicht, sich in der Natur im Netz zu verlieren. Ich bin gezwungen, Verzicht zu üben und nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten zu suchen. Und da kommt das Buch ins Spiel, und mein Ziel ist, das Buch wieder häufiger als Alternative zu den modernen Kommunikationstechniken zu sehen. Denn vieles, was man untertags an Kommunikation betreibt, könnte man sich für den Abend aufheben, oder für wenige Zeitpunkte, und nicht ununterbrochen.

Mit Zeitungen verhält es sich übrigens ähnlich. Ich liebe den Geruch von Druckerschwärze, und für mich gehört die Aktion des "Aufschlagens" einer Zeitung (die Generation, die nach dem Jahr 2000 geboren ist, wird das kaum noch kennen) ebenso zum Lesegenuss wie ein dickes Buch in der Hand zu halten, auf dessen lang anhaltende Lektüre ich mich nach dem Kauf freue. Vielleicht möchte ich mich auch abgrenzen vom beruflich exzessiven Bildschirmgebrauch, der sich nicht auch in der Freizeit fortsetzen soll (so wie ich es mit diesem Blogbeitrag gerade tue). Vielleicht ist für mich Offline-Genuss intensiver, weil dabei nichts surrt und man nicht andauernd geneigt ist, zwischendurch "schnell" noch etwas nachzusehen, und sich wieder ganz woanders verliert (Stichwort: Aufmerksamkeitsdefizitkultur). Viele von uns kennen inzwischen die Unruhe, die beim Offline-Lesen ausbricht, wenn man ein Wort nicht versteht oder etwas gerne nachschlagen möchte - eine Print-Zeitung besitzt nunmal keine Url, die man anklicken kann. Wie hat man das früher bloß gemacht?

Ihr seht, ich sehe die Unfähigkeit, einen Sachverhalt unmittelbar nachschlagen zu können, nicht als Rückschritt, sondern als Chance, sich selbst - ohne Google und Wikipedia - so lange damit auseinanderzusetzen, zu reflektieren, auf die Lösung zu kommen, bis man tatsächlich die Gelegenheit hat, tiefer in die Materie einzutauchen. Tief eintauchen geht nicht, wenn man sich selbst andauernd dabei unterbricht. Ähnlich verhält es sich auch beim Lesen eines Romans. Die Bilder im Kopf müssen wachsen, reifen, aber Zwangsverhalten schiebt ständig einen weißen Bildschirm dazwischen.

Mittwoch, 24. April 2013

Lesetipps Querbeet

Ich lese wieder mehr als früher, deutlich gezielter. Derzeit lese ich ...

Timothy Snyder - Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin.

Ein sehr akribisch (alleine das Literaturverzeichnis umfasst gut 40 Seiten) recherchiertes Sachbuch über das Schicksal der Juden in den Gebieten zwischen Deutschland und Russland, wo sich beide Diktatoren nicht viel nehmen, was Massaker an der Bevölkerung betrifft. In der Geschichte des Zweiten Weltkriegs ist oft nur vom Holocaust in den westlicheren Ländern bzw. dem bekanntesten Konzentrationslager Ausschwitz die Rede, über die Vertreibung und Ermordung der Juden besonders im Gebiet des heutigen Polens und der Ukraine ist wenig bekannt. Dieses Buch klärt darüber auf

Barbara Coudenhove-Kalergi - Zuhause ist überall.

Die STANDARD-Kolumnistin wurde in Prag geboren und zum Kriegsende nach Österreich vertrieben. In ihrer Autobiographie schildert sie die Erlebnisse der Flucht. Ein lesenswertes Interview mit ihr ist im Kurier zu finden. Besonders gefällt mir ihre Aussage zu Asylbewerbern (*):
Und genau das ist es, was diese Leute wollen: keine Almosen, sondern durch ihrer Hände Arbeit ein bisschen Sicherheit für sich uns ihre Kinder gewinnen. Dass man sie jahrelang im Ungewissen lässt und zur Untätigkeit verurteilt, macht die Menschen kaputt.
(*) Der Begriff Bewerber ist in diesem Zusammenhang auch fehl am Platze. Hier geht es schließlich nicht um Konkurrenzdenken, wer aus einer Gruppe am ehesten bleiben darf. Jedes Schicksal ist anders.

Kathrin Hartmann - Wir müssen leider draußen bleiben. Die neue Armut in der Konsumgesellschaft.

Der Titel ist selbst erklärend, ein Interview ist hier nachzulesen bzw. in der vorletzten Ausgabe der Wiener Wochenzeitschrift FALTER, die hier online gestellt ist und aufgrund derer ich das Buch (nicht bei Amazon!) bestellt habe.

Neben den fleischlich traditionellen Printtipps gibt es auch wieder ein paar Artikel, die ich teils über Twitter gefunden habe, und für so wichtig und interessant befinde, dass sie nachfolgend verlinkt werden:

Im Artikel Fang den Wähler! von Klaus Raab dreht sich alles um die zurückgehende Repräsentativität von Meinungsumfragen, die bekanntlich (meist) über Festnetz bzw. Internet abgewickelt werden.

Im Kommentar von Olja Alvir über Integration - ein überholter Begriff wird die negative Konnotation der Integrationsbemühungen thematisiert.
"Integration" teilt also in eine Bevölkerung, die "intakt" ist, und eine, die noch "repariert" werden soll - in ein "Wir" und ein "Sie". 
Einzig unglücklich in diesem Beitrag ist in meinen Augen dieser Satz:
Wir brauchen keine "Integrationsmaßnahmen", sondern neue Coping-Mechanismen für Gruppen und Einzelne gegenüber der immer vielfältiger werdenden Gesellschaft. 
Ich habe alle Wörter im Artikel verstanden, konnte mir aber unter Coping-Mechanismen erstmal nichts vorstellen. Coping hat nicht, wie man aus dem Englischen vermuten würde, etwas mit kopieren (assimilieren) zu tun, sondern beschreibt eine Bewältigungsstragie, also eigentlich eher das Gegenteil. Hier hätte man zur besseren Verständlichkeit ruhig das deutsche Pendant oder eine weniger irreführende Begrifflichkeit verwenden können.

Ebenfalls in dastandard.at erschienen - "Österreich ist für jeden etwas anderes" von Jelena Gucanin - ein Interview mit der Psychologin und Migrationsforscherin Edith Enzenhofer, in der sie das Zugehorigkeitsgefühl der Migranten zu Österreich beschreibt. Ich erkenne mich in vielen Aussagen wieder und fühle mich als "kritisch loyaler" Deutscher, der in Österreich vieles toll findet, aber vieles auch zu kritisieren hat. Obgleich der Artikel mehr auf Zuwanderer vom Balkan und der Türkei abzielt, kenne ich die unsägliche Frage "Und Du kommst aus Deutschland?" selbst zur Genüge, die ewiggleiche Reduktion auf die Herkunft.

Übrigens gefällt mir die Aussage von Georg Simmel
"Der beste Kenner einer Gesellschaft ist der Fremde, der bleibt." 
unverändert gut.

Mittwoch, 17. April 2013

Lesenswerte Artikel aus Twitter

Heute ein paar Lese-Tipps, die ich über Twitter gefunden habe. 
There is no news industry

Clay Shirky has been at the forefront of thinking about the future of journalism for the better part of a decade. He sat down with Martin Eiermann to discuss institutional inertia, censorship in the App Store, and what it means to be a journalist in 2013. 
Artikel: http://www.theeuropean-magazine.com/clay-shirky--2/6714-post-industrial-journalism

Hungary is on a fast track to the past

The government dismisses criticism of its policies as liberal lies, but attacks on the media, threats to the independence of the central bank and racism suggest otherwise
Artikel: http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2013/apr/15/hungary-political-regression-repression-racism

"Umvolkung": Man gewöhnt sich an zu viel.

Was früher empörte, wird heute als Wahlkampf-Geplänkel abgetan

Artikel: http://derstandard.at/1363708148800/Umvolkungs-Sager-Man-gewoehnt-sich-an-zu-viel 

Printmedien und das digitale Dilemma

Artikel: http://ilosweb2null.wordpress.com/2012/09/30/printmedien-und-das-digitale-dilemma/ 

Dienstag, 26. März 2013

Verweise in Publikationen, die ins Leere führen

Ein heikles Thema der Neuzeit, über sich das Digital Natives zu wenig Gedanken machen. Ich sehe die Digitalisierung der Schrift bekanntlich mit sehr skeptischen Augen. Was ist, wenn der Strom ausfällt? Ohne Strom sind E-Books nutzlos, ein digitales Archiv kann für immer verschwinden, während gedrucktes Papier auch im Kerzenschein lesbar bleibt. Neben anderen immerwährenden Vorteilen von Papier besteht da nicht zuletzt noch das Problem der Quellenangaben.

Ich habe in meiner Diplomarbeit selbst Verweise auf Websiten gegeben. Man muss sich aber darüber im klaren sein, dass diese Websiten womöglich nicht ewig existieren. Und selbst wenn die Domain erhalten bleibt, kann sich der Pfad ändern. Damit wird eine Quellenangabe in einer Publikation aber unbrauchbar. Eine Regel, die mir damals schon nahegelegt wurde: Zitate möglichst aus Schriftpublikationen bzw. dauerhaften Quellen. Wenn die digitale Quelle unumgänglich ist, empfielt sich ein genauer Verweis mit Titel, Erscheinungsjahr und Urheber, ggf. kann man die Quelle dann noch auf der Domain selbst (falls Url-Änderung) wiederfinden. Hilfreich kann auch sein, die zitierte Passage oder die verwendete Abbildung als PDF zu speichern und - sofern die Erlaubnis erteilt wurde - an die Arbeit anzuhängen (wenn es sich um eine digitale Ausgabe handelt), zumindest aber verfügbar zu haben, sollten entsprechende Anfragen kommen.

Für Digital Natives, die in das Netz hineingeboren wurden, für die das Netz schon immer existiert und scheinbar nirgends endet, ist es nicht vorstellbar, dass das Netz keine Materie besitzt, sondern eine künstlich geschaffene Rumpelkammer ist, in der einmal Abgestelltes nur von dem gefunden werden kann, der ausgefeilte Suchtechniken entwickelt hat.

Meine Internetpräsenz begann mit dem baldigen Wunsch, selbst eine Website zu erstellen. Seit März 2002 verfüge ich über eine solche, bzw. seit 2006 über zwei ständige Websiten, deren Layout sich allerdings immer wieder geändert hat. Anfangs habe ich recht unreflektiert Artikel online gestellt, ohne sie auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Der Wahrheitsfindungsprozess hat erst im Laufe der Jahre eingesetzt und zu einer gehörigen Ausdünnung beider Präsenzen geführt. Dadurch gingen viele Verweise für immer verloren, was bei den Verweisenden für recht negative Reaktionen gesorgt hat. Ein kritischer Umgang mit (digitalen) Quellen ist aber nicht nur die Pflicht des Urhebers, sondern auch des Benutzers. Dass mein Frühlingsputz auf den Websiten zu vielen leeren Pfäden geführt hat, war notwendig, um die eigene Seriösität zu bewahren. Im besten Fall wird natürlich zuerst der Wahrheitsgehalt überprüft, und dann veröffentlicht - aber diese, wissenschaftliche, Herangehensweise lernte ich erst im Studium.

Conclusio:
  • Zitate aus (gedruckten) Büchern oder Zeitschriften bewahren vor toten Pfaden (Urls). 
  • Beim Urheber nachfragen, ob der Link dauerhaft erhalten bleibt.
  • Kopie des zitierten Abschnitts speichern und mit Erlaubnis anhängen. 
  • Den Urheber nicht verdammen, wenn er die Website umstellt oder gar Inhalte löscht. 
Für mich gesprochen: Als Inhaber zweier Domains mit großen Zugriffsraten wächst daraus eine Verantwortung, der ich mich nicht entziehen kann und darf. Eine Website erstellen ist leicht, sie pflegen ist anspruchsvoll und zeitaufwändig. Dessen sollte man sich bewusst sein, ehe man eine Website erstellt und Inhalte zur Verfügung stellt, die später in Publikationen erscheinen könnten.

Montag, 25. März 2013

Hans Goger: Einsame Wildnis – eisige Gipfel

Bergsteigerliteratur für Abenteurer und Gipfelfans: Der Burgenländer Hans Goger beschreibt auf packenden 227 Seiten von seinen Abenteuern in Alaska (Überschreitung des Mount Mc Kinley, bei dem er durch einen Sturz in eine Gletscherspalte fast mit dem Leben bezahlt), in Patagonien und im Himalaya, wo ihm als erster Burgenländer die Besteigung des Cho Oyu und Mount Everest gelingt, mit teilweise sehr heiklen Passagen und Erfahrungen. So wird er am Berg immer wieder mit dem Tod konfrontiert, und erleidet schwere Erfrierungen an einer Hand.

Zahlreiche Bilder begleiten seine wortreichen und spannenden Erzählungen, nicht selten mit dem Wortwitz des Österreichers. Schon nach wenigen Seiten war ich gefangen und konnte nicht mehr aufhören, las das Buch in zwei Nächten durch. Einziger Wermutstropfen ist der chronische Mangel an Beistrichen in offensichtlichen Fällen -  hier hätte man sich von dem am Schluss genannten Lektorat doch etwas mehr Sorgfalt erwartet. Sieht man darüber hinweg, ist es ihm gelungen, die Lust auf Abenteuer und Berge zu wecken bzw. wiederauferstehen zu lassen.

Sonntag, 17. März 2013

Schienbein treten


Gruppenarbeit. Tische aneinander gesetzt. Grimassen schneidende Gesichter. Unmut breitet sich aus. Geschnatter beginnt. Literarische Texte sollen besprochen werden. Stattdessen geht es um Kinobesuche und Sauforgien vom vergangenen Wochenende. Ich schaue mein Gegenüber an. Klein ist Philipp geworden, im Sitzen. Klein, aber nicht auf den Mund gefallen. Ein Auffaller, ein pubertärer Phrasendrescher, nie um eine Peinlichkeit verlegen, stets einen Rausschmiss aus dem Klassenraum provozierend. Meist hat er es auf mich abgesehen, mich, das wehrlose Opfer, das nie zum Gegenangriff übergeht, das ihn auf Dauer langweilen sollte. Eine Abwehrstrategie, die nie aufgeht, die Philipp sogar noch mehr aufstachelt. Untätigkeit macht ihn rasend. Aufgeregt zappelt er auf seinem Stuhl, grinst mich fies an, ehe er mein Schreibmäppchen mit einem Ruck an sich rafft. Ich beuge mich, halb aufstehend, zu ihm hinüber. Er grinst weiter, lässt mich nicht an ihn heran. „Philipp!“ ertönt der Ordnungsruf der Lehrerin, die ihm mit schriller Stimme befielt, das Schreibmäppchen zurückzugeben. Widerwillig gehorcht der Unruhestifter. Erleichterung. Nur eine kurze Verschnaufpause. Wie aus dem Nichts Schmerzen. Philipp beginnt mich am rechten Schienbein zu treten. Von meinen Sitznachbarn zur Kenntnis genommen. Bitte fortfahren. Verzweifelt weiche ich zurück, rücke mit dem Stuhl nach hinten. Philipps Tritte werden länger. Die Lehrerin hat den Raum verlassen. Nebenan werden Spielkarten ausgepackt. „Hör' auf!“ herrscht eine Stimme, die der meinen ähnlich ist, plötzlich Philipp an. Ein Mantel des Schweigens legt sich über den Klassenraum. Zappelphilipp erstarrt. Die Lehrerin kehrt zurück. Stille wie bei einer Andacht. Alle schauen mich an. Schulterzucken. Die Gruppenarbeit wird fortgesetzt, nun Kafka gewidmet.

Innsbruck, 3. März 2009