Mittwoch, 23. Mai 2012

Das Internet

Das Internet ist wie das Universum - ein unendlicher, nicht greifbarer Raum, dessen Inhalte selbst dann strahlen, wenn der Stern schon längst erloschen ist.

by me

Mittwoch, 2. Mai 2012

Hans Lebert: Die Wolfshaut

Dass ich erst zu diesem Roman kam, war ein kurioser Zufall. Das letzte Jännerwochenende verbrachte ich in Innsbruck und traf dabei einen Bekannten wieder, der selbst schriftstellerisch tätig ist, und mir davon berichtete, dass er dieses Buch gerade das zweite Mal las. Am nächsten Tag kaufte ich den "Standard" und im ALBUM gab ein Schriftsteller Lesetipps ab, und ausgerechnet Nr.1 war: Hans Lebert - Die Wolfshaut. In der Rezension spricht Elfriede Jelinek vom "größten Leseerlebnis ihres Lebens". Zudem erklärte mir mein Bekannte, dass es sich um einen Antiheimatroman handle, der - wie sich später herausstellte - inhaltliche und stilistische Parallelen zu Thomas Bernhards FROST enthält.

Gestern bin ich leider mit dem Roman fertig geworden - leider, weil man sich wie in einen Rausch liest und nicht mehr aufhören kann und will. Die Sprachgewalt Leberts ist unfassbar. Er schafft es, Metapher an Metapher zu reihen, und dennoch nie Langeweile aufkommen zu lassen. Die über 500 Seiten des Romans sind notwendig, um die einzelnen Charaktäre im Buch aufzubauen, was Lebert perfekt gelingt. Ebenso versteht er es meisterhaft, die Spannung stetig zu steigern, bis zur Klimax am Ende. Zuvor weiß man nicht, worin dieses "etwas furchtbares ist geschehen" bestehen soll.

Die Schlüsselszene jedoch -  nach der ich mir dachte "oh, Lebert ist wirklich brillant!" - geschieht, als der Protagonist einen Brief, der des Rätsels Lösung bringt, einsteckt, ohne ihn zu lesen, und die restlichen Seiten wartet man darauf, wann der Protagonist sich wieder daran erinnert, und wird langsam ungeduldig, da die Spannung nun wirklich knistert.

Davon abgesehen ist auch das Thema - das Verhältnis der Österreicher zum Nationalsozialismus - hochbrisant, und die Heimatidylle, die in vielen Filmen der 50er Jahren zum unerträglichen Klischée hochstilisiert wird, wird von Lebert konterkarikiert.

Momentan jedenfalls herrscht eine gewisse Leere in mir, da jeder nachfolgende Kriminalroman ein schwacher Abklatsch dessen darstellen wird, was DIE WOLFSHAUT vollbrachte: sprachlich und stilistisch meisterhaft.

Mittwoch, 4. April 2012

Fragebogen

Gebunden oder Taschenbuch?
Lieber Soft Cover, da nicht so sperrig im Rucksack. Aber wenn ichs nicht aushalte, darfs auch die gebundene Ausgabe sein.


Amazon oder Buchhandel?
Kommt darauf an. Wenn ich den Buchtitel weiß, dann bestelle ich schonmal bei Amazon, u.a. auch bei Fremdanbietern, wenn das Buch vergriffen ist (z.B. Hans Lebert - Die Wolfshaut). Gehe ich dagegen in eine Buchhandlung, dann nehme ich mir gerne die Zeit zum Stöbern und der Kauf ist in Kauf genommener Zufall.

Lesezeichen oder Eselsohr?
Lesezeichen, notfalls auch ein Notizblatt.

Ordnen nach Autor, nach Titel oder ungeordnet?
So groß ist meine Sammlung nicht. Ich sortiere eher nach Sachbücher, Autobiographien, Krimis und Romane.



Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Ich kann Bücher nicht wegwerfen. Das ist geistiges Eigentum, niedergeschriebene Kreativität, auch wenn es Schrott ist. Am ehesten noch verschenken oder verkaufen.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?
Behalten, und hoffen, ihn wiederzufinden.


Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
Ohne! Ist im Bett liegend bequemer, und macht keine unnötigen Knitterfalten ins Papier.

Kurzgeschichten oder Roman?
Obwohl ich bisher nur Kurzgeschichten schrieb, bevorzuge ich Romane. Je mehr Seiten, desto besser. Am liebsten sind mir lange Schinken. Um selbst einen Roman zu schreiben, fehlte mir bisher aber der lange Atem.

Sammlung (Kurzgeschichten von einem Autor) oder Anthologie (Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren)?
Am ehesten ersteres, z.B. von Georg Payr - Das Ewig Päpstliche zieht uns hinan.

Harry Potter oder Lemony Snicket?
Ersterer sagt mir nicht zu, zweiteren kenne ich nicht.

Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel endet?
Wenn man zwar noch liest, aber auf der nächsten Seite nicht mehr weiß, was man vorher gelesen hat. Meist werde ich dann vom Schlaf übermannt. In der Schulzeit las ich nicht selten bis halb 2 nachts und ging dann übermüdet zur Schule - bereut habe ich es niemals. Heute ist die Müdigkeit leider oft stärker.

„Die Nacht war dunkel und stürmisch“ oder „Es war einmal“?
Keine Märchen. Die Realität ist spannend genug.

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Kaufen oder Leihen?
Kaufen! Ich will ein Buch mehrmals lesen können, und nicht durch äußere Umstände gezwungen sein, es in einer bestimmten Zeit zu lesen.

Neu oder gebraucht?
Beides. Wenn es ein seltenes Exemplar ist, das ich sonst nirgends bekomme, darf es auch gerne gebraucht sein.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
s.o. Sachbücher nicht selten durch Empfehlung eines Kulturradiosenders oder einer Zeitung, im Buchhandel dagegen Stöbern und spontan kaufen.

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
Wenn die Serie gut ist, darf der Ausgang offen sein.

Morgens, mittags oder nachts lesen?
Nachts - da herrscht Ruhe vom Alltagslärm. Und im Bett ists immer noch am Gemütlichsten. Gerne auch mal nach dem Aufwachen, um das Aufstehen hinauszuzögern.

Einzelband oder Serie?
Von Wolfgang Hohlbein habe ich ganze Serien gelesen, am liebsten die Enwor-Saga. Hat wie viele Hohlbein-Romane seine Durchhänger, am besonders die letzten vier Bücher der Serie sind in sich geschlossen und lassen die Phantasie Purzelbäume schlagen.


Lieblingsserie?
Henning Mankell - Wallander. Habe alle Bücher der Serie mehrfach gelesen, kann es nicht mehr zählen, wie oft, aber über Jahre hinweg war Wallander mein vertrauter Begleiter in der Nacht. Ein literarisches Refugium, in das ich mich zurückziehen konnte und ich mich heimisch darin fühlte.



Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?
Hans Lebert - Die Wolfshaut, österreichischer Anti-Heimat-Roman aus den 60ern, im Gegensatz zu Thomas Bernhard mit mehr Handlung, weniger Monologen und ohne Bandwurmsätze, aber dafür einer Sprachgewalt, die fesselt. Zudem thematisiert Lebert eben das, was bis heute in Österreich so unaussprechbar ist wie der Armenier-Völkermord in der Türkei.



Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?
Thomas Gifford - Assassini
Robert Harris - Vaterland
Serdar Somuncu - Der Antitürke

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
Thomas Bernhard - Auslöschung.

Hinweis dank http://nikana.de/page/18/ und Quelle: http://www.ankegroener.de/

Samstag, 17. März 2012

Reinhold Messner im Audimax - Wien

Durch Zufall kam ich am Tag von Reinhold Messners Vortrag (16.3.12) noch an eine Karte im Audimax, Wien. Bis dahin hatte ich von Alpinisten zwar gelesen (Reinhard Karl, Andy Holzer, Konrad Kain) bzw. im Fernsehen gesehen (Hans Goger) bzw. entfernt darüber gehört (Gerlinde Kaltenbrunner, Hans Kammerlander), aber noch keinen leibhaftig gesehen. So gesehen habe ich keine Vergleichsmöglichkeit, ob Messners Vortrag nun außergewöhnlich packend oder emotionslos war, es steckte jedenfalls eine Menge Routine darin.

Der Aufbau gefiel mir an sich gut. Zweifellos kann er Geschichten erzählen und die ein oder andere Botschaft an den Mann bringen. Allerdings merkt man ihm auch an, diesen Vortrag schon 100x gehalten zu haben - was bisweilen etwas distanziert wirkt und nicht richtig mitzureißen vermag - andererseits kann man in einem Saal mit über 600 Menschen (das Publikum war recht gemischt, wenn auch deutlichen Anteil von 60+) auch schwerlich näher werden.

Ein paar Lebensweisheiten haben mir gefallen, zum Teil empfinde ich selbst so.

Sinngemäße (nach zweieinhalb Stunden habe ich nicht alles wortwörtlich behalten können) Zitate:

"Man geht nicht wegen dem Gipfel auf den Berg, sondern um wieder zurückzukommen zu den Menschen."

Der Gipfel zählt sozusagen erst, wenn man wieder unten ist und davon berichten kann. Auch kommt die Erleichterung und Euphorie erst, wenn man die kritischen Stellen im Abstieg gemeistert hat.

"Als Abenteurer geht man auf Berge, auf denen man umkommen könnte, um nicht umzukommen"

 Er begründet so, weshalb man Risiken auf sich nimmt: 

"Weil der Berg da ist." 

und dass jede Motivation gleichberechtigt ist... die einen halt aus Ehrgeiz, die anderen wegen der unberührten Natur, usw...

Recht 'hart' war das Bild mit dem Totenschädel seines am Nanga Parbat tödlich verunglückten Bruders, glaube, da haben viele im Publikum geschluckt.Relativ emotionslos seine Kommentare dazu.  Wenngleich auch das nachvollziehbar ist:

"Der Verzicht auf meine Leidenschaft, dem Bergsteigen, macht meinen Bruder auch nicht wieder lebendig"...

Glaube, aus dem Vortrag konnte man einiges (für sich selbst) rausziehen, und vielleicht auch anderen begreiflich machen, warum man bestimmte Risiken auf sich nimmt.


Humor bewies Messner auch:

"Nach 25 Jahren in der Vertikale verlegte ich meine Abenteuer in die Horizontale - nicht, was Sie jetzt denken ...!"
Insgesamt ein sehr interessanter Vortrag mit interessanten Rückgriffen auf die Vergangenheit, auf die Erstbesteigung des Mount Everest oder die Durchquerung der Antarktis.

Und es bleibt Messners Erkenntnis zurück:

"Am meisten Erfahrung gewonnen hatte ich durch die Expeditionen, die gescheitert sind."

ganz gemäß der Maxime: "Nur aus Fehlern lernt man."

Freitag, 24. Februar 2012

Isabel Allende

Wenn ich nicht schreibe, vergesse ich, und wenn ich vergesse, ist es, als wenn ich nicht gelebt hätte.

Freitag, 17. Februar 2012

Sprüche

Was du in anderen entzünden willst, muss in dir selbst brennen.
(Aurelius Augustinus)
Krisen sind die besten Siebe (was Freunde angeht)

 

Dienstag, 14. Februar 2012

Lena Lehtolainen - Sag mir, wo die Mädchen sind

Zugegeben: Ich wurde über die von mir geschätzte Wiener Kulturzeitschrift "Falter" auf dieses Buch aufmerksam, und fand die Inhaltsbeschreibung ganz interessant: Mord an Musliminnen, die als Ehrenmorde gedeutet werden können, und eine Verbindung nach Afghanistan, die den Fall in einem Licht darstellen.

Vielleicht hab ich zuviel erwartet, vielleicht war ich aber auch durch Henning Mankells Wallander-Reihe geblendet, die Krimi und Psychoprogramm perfekt miteinander verbindet, die einen Polizisten mit menschlichen Schwächen zeigt.

Jedenfalls sind mir zwei Dinge sehr negativ aufgefallen:

Einmal hapert es an logischen Zusammenhängen, und die Ich-Erzählerin wirkt desinteressiert an ihrem eigenen Fall (sie hat Überstunden, deswegen fängt sie später mit dem Dienst an, obwohl der Fall schon in die heiße Phase getreten ist). Insbesondere der Zusammenhang zwischen den Morden bzw. dem Verschwinden der Migrantinnen und Afghanistan wird nicht sonderlich klar herausgestellt, bzw. wirkt arg konstruiert. Dadurch wirkt das Buch an vielen Stellen langatmig und man quält sich von Seite zu Seite, in der Hoffnung, klarer zu sehen.

Das Andere hängt mit den modernen Medien zusammen: Phasenweise kommt auf jeder Seite mindestens einmal eine SMS, wird was auf Facebook geschrieben, gegoogelt, ein YouTube-Video geschaut, und das Internet nach sonstigen Nachrichten durchforstet. Auch das nimmt Spannung raus, wirkt arg technisch, und zerstört vor allem die Handlung, weil vor lauter neuen Medien die Kommissarin kaum dazu kommt, aktiv sich zu beteiligen.

Das ist persönliche Geschmackssache: Ich mag einfach "Old-School"-Romane bzw. Krimis lieber, in denen Dialoge mit Menschen, nicht mit Maschinen, im Vordergrund stehen, in denen Handlung vorhanden ist, und diese nicht andauernd durch moderne Medien unterbrochen wird.

Insgesamt war ich jedenfalls arg enttäuscht und zugleich erleichtert, als ich die letzte Seite überstanden hatte, wobei die Auflösung der Handlung ohne "Aha-Effekt" vonstatten ging.